{"id":8321,"date":"2021-08-17T10:55:59","date_gmt":"2021-08-17T10:55:59","guid":{"rendered":"https:\/\/viajezapatista.eu\/?p=8321"},"modified":"2021-08-17T11:05:49","modified_gmt":"2021-08-17T11:05:49","slug":"gerade-500-jahre-danach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/viajezapatista.eu\/de\/gerade-500-jahre-danach\/","title":{"rendered":"Gerade 500 Jahre Danach."},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:10px\">Lesen Sie die Originalver\u00f6ffentlichung in <a href=\"http:\/\/enlacezapatista.ezln.org.mx\/2021\/08\/15\/gerade-500-jahre-danach\/\">Enlace Zapatista<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Worte der zapatistischen Pueblos.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"13\"><li>August 2021.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Schwestern, Br\u00fcder, <strong><em>Schwestern*Br\u00fcder<\/em><\/strong>,<\/p>\n\n\n\n<p>Compa\u00f1eras, Compa\u00f1eros, <strong><em>Compa\u00f1eroas,<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch unsere Stimmen sprechen die zapatistischen <em>Comunidades<\/em>, Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst m\u00f6chten wir danken.<\/p>\n\n\n\n<p>Danken, dass Ihr uns eingeladen habt.<\/p>\n\n\n\n<p>Danken, dass Ihr uns empfangen habt.<\/p>\n\n\n\n<p>Danken, dass Ihr uns beherbergt habt.<\/p>\n\n\n\n<p>Danken, dass Ihr uns gen\u00e4hrt habt.<\/p>\n\n\n\n<p>Danken, dass Ihr uns umsorgt habt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem m\u00f6chten wir Euch jedoch danken, dass Ihr trotz Eurer Unterschiede und Gegens\u00e4tze gemeinsam den Beschluss gefasst habt, f\u00fcr das, was wir heute machen. Vielleicht wird es Euch wenig erscheinen, f\u00fcr uns <em>Pueblos zapatistas<\/em> (1) jedoch ist es sehr gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind Zapatistas mit Maya-Wurzeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind aus einer Geographie, die Mexiko genannt wird. Wir haben den Ozean \u00fcberquert, um Euch diese Worte zu sagen, um mit Euch zusammen zu sein, Euch zuzuh\u00f6ren und von Euch zu lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind aus Mexiko, und in Euch und mit Euch haben wir Zuneigung, Umsorgen und Respekt gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der mexikanische Staat und seine Regierungen erkennen uns nicht als Staatsangeh\u00f6rige jener Geographie an. Wir sind Fremde, Ausl\u00e4nder, Unerw\u00fcnschte, Unpassende auf denselben Erden, die durch unsere Vorfahren kultiviert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den mexikanischen Staat sind wir \u00bbExtempor\u00e4re \u2013 Unzeitgem\u00e4\u00dfe\u00ab. Dies besagt unsere Geburtsurkunde, die wir nach vielen Ausgaben und Reisen von unseren D\u00f6rfern hin zu den B\u00fcros der schlechten Regierungen erlangt haben. Wir taten dies, um zu Euch kommen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind jedoch nicht hierher gekommen, um uns zu beschweren. Auch nicht, um die schlechte Regierung anzuzeigen, f\u00fcr das, was wir erleiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sagen Euch nur das. Denn es ist ja diese schlechte Regierung, die vom spanischen Staat gefordert hat, er solle um Vergebung bitten f\u00fcr das, was vor 500 Jahren geschah.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr solltet verstehen: Diese schlechte Regierung Mexikos ist \u2013 au\u00dfer dass sie schamlos ist \u2013 auch noch ein Ignorant der Geschichte. Sie dreht und wendet sie f\u00fcr ihre Zwecke.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit packen wir die schlechten Regierungen, die jede*r von uns in ihren*seinen Geographien ertr\u00e4gt, zur Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sind nur Vorarbeiter, gehorsame Angestellte eines gr\u00f6\u00dferen Verbrechers.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir, die wir das Zapatistische Maritime Geschwader bilden <em>\u2013 <\/em>das Ihr kennt als <em>Escuadr\u00f3n 421 \u2013<\/em> stehen Euch heute gegen\u00fcber. Wir gehen jedoch lediglich einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe aus bis zu 501 Delegiert*innen voraus. Und wir sind 501, um den schlechten Regierungen lediglich zu demonstrieren, wir eilen ihnen voraus. W\u00e4hrend sie falsche 500-Jahre-Feierlichkeiten simulieren, brechen wir \u2013 Frauen, M\u00e4nner, <strong><em>AnderE<\/em><\/strong> \u2013 bereits in das auf, was folgt: das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 501 werden wir die Winkel dieses rebellischen Landes durchlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber macht Euch keine Sorgen. Es werden nicht alle 501 Delegiert*innen auf einmal kommen, sondern jeweils Teile von ihnen werden ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Moment bereitet sich in den Bergen des S\u00fcdosten Mexikos die zapatistische Luftfahrtgesellschaft vor, die wir \u00bbDie Extempor\u00e4re \u2013 Die Unzeitgem\u00e4\u00dfe\u00ab nennen. Sie wird von zapatistischen Frauen, M\u00e4nnern, M\u00e4dchen und Jungen gebildet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Luftfahrtunternehmen wird eine Delegation des <em>Congreso Nacional Ind\u00edgena<\/em> \u2013 Indigener Regierungsrat und der <em>Frente de Pueblos en Defensa de la Tierra y el Agua<\/em> reisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle \u2013 Frauen, <strong><em>AnderE<\/em><\/strong> und M\u00e4nner \u2013 haben gelitten, um Papiere und Impfungen zu erhalten. Sie wurden krank und es ging ihnen wieder besser. Sie hatten Hunger und waren fern ihrer Familien, Gemeinden, ihrem Land, ihrer Sprache und Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle \u2013 M\u00e4nner, Frauen und <strong><em>AnderE<\/em><\/strong> \u2013 sind jedoch fr\u00f6hlich und begeistert, Euch zu treffen. Jedoch nicht innerhalb von Gro\u00dfveranstaltungen, sondern an den Orten, wo Ihr Widerstand leistet, rebelliert und k\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht meint Eine*r, wir h\u00e4tten Interesse an gro\u00dfen Events und medialer Wirkung und w\u00fcrden danach die Erfolge und Niederlagen bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben jedoch gelernt, dass die Saatk\u00f6rner sich austauschen, auss\u00e4en und sprie\u00dfen im Allt\u00e4glichen, im ureigensten Boden, mit dem jeweiligen Wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Morgen wird nicht im vollen Licht hervorgebracht. Er wird angelegt, bewahrt und entsteht in den unbemerkten Schattierungen der Morgend\u00e4mmerung <em>\u2013 <\/em>wenn die Nacht gerade anf\u00e4ngt, sich vom Land zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erdbeben, die die Geschichte der Menschheit ersch\u00fcttern, beginnen mit einem vereinzelten, kaum wahrnehmbaren <em>\u00bbYa basta \u2013 Es reicht!<\/em>\u00ab Ein abweichender Ton mitten im Get\u00f6se. Ein Riss in der Mauer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb kommen wir nicht, um Rezepte zu bringen, Sichtweisen und Strategien aufzuzwingen, um eine leuchtende, augenblickliche Zukunft, angef\u00fcllte Pl\u00e4tze und unmittelbare L\u00f6sungen zu versprechen. Auch kommen wir nicht, um Euch zu zauberhaften Zusammenschl\u00fcssen aufzurufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir kommen, um Euch zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird sicherlich nicht leicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind so verschieden, so unterschiedlich und so entfernt, so gegens\u00e4tzlich und vor allem so widerspr\u00fcchlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns trennt vieles.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht erz\u00e4hlen wir gewollt oder ungewollt <em>\u2013 <\/em>w\u00e4hrend wir sprechen <em>\u2013 <\/em>nicht nur unserer Geschichte,&nbsp; sondern zeigen auch die \u00dcberzeugung, dass das Unsere g\u00fcltig und die Wahrheit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder Blick auf die Vergangenheit trennt uns. Diese Differenz ist nicht \u00fcberfl\u00fcssig. [Denn] in jedem Blick gibt es Wut und Schmerz, die sich legitimerweise erstrecken auf das Vorangegangene.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es stimmt: Beim Betrachten der vergangenen Geschichte suchen wir, das zu finden, was wir m\u00f6chten. Seien es Wut, Groll, Verurteilungen oder Freispr\u00fcche. Obzwar es seri\u00f6se und tiefgr\u00fcndige Studien gibt, k\u00f6nnen wir das suchen, was uns passt und was uns Recht gibt. Was uns rechtfertigt. Und wir machen es zur \u00bbWahrheit\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Derart k\u00f6nnen wir urteilen und verurteilen. Die Gerechtigkeit wird dabei jedoch vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so k\u00f6nnen wir vieles finden, was uns spaltet und in Konfrontation bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben Streitereien in unserer Familie, Gruppe, in unserem Kollektiv oder unserer Organisation. In unserem Stadtteil, unserer Ortschaft. In unserer Gegend, unserem Landkreis. In unserer Geographie.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede*r&nbsp; hat einen Schmerz, der sie*ihn zeichnet. Eine Wut, die sie*ihn bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese Schmerzen und diese Wut \u2013 die nicht wenige sind&nbsp; \u2013 sind vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir <em>Pueblos zapatistas<\/em> sagen: Nur eine noch gr\u00f6\u00dfere Bedrohung, ein noch schrecklicherer Schmerz, eine noch m\u00e4chtigere Wut kann es zu Stande bringen, dass wir die gemeinsame \u00dcbereinkunft treffen, diesen Wut und diesen Schmerz weiter nach Oben zu richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Unterschiede, die wir haben, werden jedoch nicht verschwinden \u2013 wie bei den falschen Aufrufen zur \u00bbEinheit\u00ab, die die von Oben zu machen pflegen, wenn die von Unten von ihnen Rechenschaft fordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Denn das, von dem wir \u2013 die zapatistischen <em>Comunidades<\/em> \u2013 sprechen, meint einen Grund, ein Motiv, ein Ziel: das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht dabei nicht darum, \u00dcberzeugungen und K\u00e4mpfe aufzugeben. Im Gegenteil. Wir denken, dass die K\u00e4mpfe der Frauen, der <strong><em>AnderEn<\/em><\/strong>, der Arbeiter, der <em>Pueblos originarios <\/em>(2) nicht nur nicht&nbsp; innehalten sollten, sondern vertiefter und radikaler sein sollten. Jede*r steht einer oder mehreren K\u00f6pfen der <em>Hydra<\/em> (3) gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn alle diese K\u00e4mpfe \u2013 Eure und die von uns <em>Pueblos zapatista<\/em>s \u2013 sind f\u00fcr das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir jedoch das Ungeheuer in seinem Herzen nicht zerst\u00f6ren, werden seine K\u00f6pfe weiter neu erwachsen \u2013 in ver\u00e4nderter Form und mit noch gr\u00f6\u00dferer Grausamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt, in diesen Zeiten, sehen und erleiden wir eine gigantische Zerst\u00f6rung; die der Natur \u2013 darin eingeschlossen die Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn unter den Tr\u00fcmmern \u2013 der Asche, dem Schlamm, den verschmutzten Gew\u00e4ssern und&nbsp; Pandemien, der Ausbeutung, Verachtung und Raub, dem Verbrechen, Rassismus und der Intoleranz \u2013 liegen leblose Menschen begraben. Und jedes Leben ist eine Geschichte, die sich in eine Ziffer, eine Statistik, ein Vergessen verwandelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zukunft, die Geschichte, die kommen wird, ist \u2013 wie die Gegenwart \u2013 ein realer Albtraum. Und wenn wir denken, es kann nicht noch schlimmer werden, kommt die Wirklichkeit an und schl\u00e4gt uns ins Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und somit schaut jede*r nach sich selbst, und im besten Falle nach seinen N\u00e4chsten: die Familie, Freundschaften, Bekannte.<\/p>\n\n\n\n<p>So wie es in jedem Winkel der Erde \u2013 in jedem Herz, das schl\u00e4gt \u2013 ein gegenw\u00e4rtiges und noch kommendes Ungl\u00fcck gibt, so gibt es jedoch auch einen Widerstand, eine Rebellion, einen Kampf f\u00fcr das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn zu leben, bedeutet nicht nur, nicht zu sterben, blo\u00df zu \u00fcberleben. Als menschliche Wesen zu leben, bedeutet, in Freiheit zu leben. Leben ist Kunst, ist Wissenschaft, ist Freude, Tanz, ist Kampf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und zu leben, bedeutet auch, mit der einen oder anderen Sache nicht einverstanden zu sein, zu diskutieren, zu debattieren, sich zu konfrontieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, und dann gibt es jemanden oder etwas, was uns hindert zu leben, uns die Freiheit entrei\u00dft, uns betr\u00fcgt, prellt, einkreist \u2013 was daherkommt, um uns bei\u00dfend, einschneidend, verletzend unsere jeweilige Welt zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort k\u00f6nnen wir den Verantwortlichen w\u00e4hlen. Einen Schuldigen suchen. Sich ihm gegen\u00fcber stellen und Gerechtigkeit machen. Jemand oder etwas, was zahlt und die Quittung erh\u00e4lt f\u00fcr diesen Schmerz, der uns \u2013 M\u00e4nner, Frauen, <strong><em>AnderE<\/em><\/strong> \u2013 allein l\u00e4sst. Und der uns auf einer immer kleiner werdenden Insel in die Enge treibt \u2013 die so winzig ist, dass nur noch das jeweilige Ich \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch dort auf der kleinen Insel \u2013 entfernt von allem und allen \u2013 werden wir gezwungen, etwas anderes zu sein \u2013 nicht das zu sein, was wir sind. Unsere individuelle Geschichte, die ihren Teil hat an kollektiver Geschichte: ein Zimmer, ein Haus, ein Stadtteil, ein Ort, eine Gemeinde, eine Geographie, eine Grundlage \u2013 die ver\u00e4ndert und verraten werden muss, um Teil von etwas Anderem zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Frau \u2013 zum Wohlgefallen des Mannes. <strong><em>EinE AnderEr <\/em><\/strong>\u2013 vom Hetero akzeptiert. Eine Jugend \u2013zur Zufriedenheit der Erwachsenen. Altsein \u2013 toleriert durch die Jugend. Kindsein \u2013 umk\u00e4mpft von Jugendlichen, Erwachsenen und Alten. Eine Arbeitskraft \u2013 effizient und f\u00fcgsam gegen\u00fcber dem Vorarbeiter. Ein Vorarbeiter \u2013 nach Geschmack des Befehlsgebers.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Druck, sich in etwas zu transformieren, was wir nicht sind, hat die Form von Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ist strukturell. Das gesamte System ist konstruiert, um die Passform der Normalit\u00e4t aufzuzwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir Frauen sind, sollen wir es gem\u00e4\u00df der Passform der M\u00e4nner sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir <strong><em>AnderE<\/em><\/strong> sind, sollen wir es entsprechend der Passform des Heterosexuellen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Ihr wisst, beispielsweise bis hin zu Kliniken, um die sexuelle Differenz zu \u00bbkorrigieren\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gut, das System ist eine gigantische und brutale Klinik, die \u00bbAnormalit\u00e4t heilt\u00ab. Eine Maschine, die das Andere, das Differente angreift, isoliert und liquidiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Derart machen sie uns zu schaffen, Tag und Nacht, indem sie uns b\u00e4ndigen wollen, versuchen, uns zu domestizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir, nun ja, wir leisten Widerstand. Das gesamte Leben und jede Generation: widerst\u00e4ndig, rebellierend. <em>\u00bbNein\u00ab<\/em> sagend \u2013 zur Aufzwingung. <em>\u00bbJa\u00ab<\/em> rufend \u2013 zum Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist nicht neu, ja, das stimmt. Wir k\u00f6nnten uns 5 Jahrhunderte zur\u00fcckversetzen und da w\u00e4re die gleiche Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das L\u00e4cherliche von alldem ist: Diejenigen, die uns jetzt unterdr\u00fccken, streben danach, die Rolle unserer \u00bbBefreier\u00ab zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz alldem \u2013 etwas ist anders. Denn der Schmerz der Erde, der Natur hat sich ebenfalls mit unserem verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier k\u00f6nnen wir einverstanden sein oder nicht, k\u00f6nnen wir sagen, das stimmt nicht:&nbsp; Die Pandemien werden enden; die Katastrophen werden stoppen;&nbsp; die Welt und unser Leben in dieser Welt wird wieder so sein wie zuvor. Auch wenn dieses \u00bbZuvor\u00ab Schmerz, Zerst\u00f6rung, Ungerechtigkeit bedeutete und bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir <em>Pueblos zapatistas<\/em> denken: Nein, nicht nur, es wird nicht wieder wie zuvor, sondern es wird sogar schlimmer werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir zapatistische Gemeinden benennen den Verantwortlichen f\u00fcr diese \u00dcbel. Wir nennen ihn \u00bbKapitalismus\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir sagen auch, nur mit der vollst\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung dieses Systems wird es m\u00f6glich sein, dass jede*r \u2013 gem\u00e4\u00df ihres*seines Modus, Kalenders und Geographie \u2013 etwas anderes wird errichten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht etwas perfektes, jedoch \u2013 dies ja \u2013 etwas besseres.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dem, was aufgebaut wird, diese neuen Beziehungen zwischen den Menschen und zwischen der Menschheit und der Natur, wird jede*r den Namen geben, der ihr*ihm gef\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir wissen, es wird nicht leicht sein. Das ist es nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir wissen gut, wir werden es nicht allein k\u00f6nnen: Jede*r in ihrem*seinem Bruchteil k\u00e4mpfend gegen den Kopf der Hydra, der sie*ihn gerade traf \u2013 w\u00e4hrenddessen das Herz des Ungeheuers sich erneuert und noch mehr ausweitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vor allem wissen wir, wir werden dieses Morgen nicht erblicken, an dem die Bestie endlich brennen und sich verzehren wird \u2013 bis von ihr lediglich eine schlechte Erinnerung zur\u00fcckbleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen jedoch auch, wir werden unseren Teil tun \u2013 auch wenn er klein sein mag, auch wenn ihn kommende Generationen vergessen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als <em>Comunidades zapatistas<\/em>, die wir sind, sehen wir Anzeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber vielleicht irren wir uns als <em>Pueblos<\/em>, die wir sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr wisst ja, sie sagen, wir seien Ignoranten, Zur\u00fcckgebliebene, Konservative, Fortschrittsgegner, Pr\u00e4-Moderne, Barbaren, Unzivilisierte, Unpassende und Ungeb\u00fchrliche.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist dem so.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir zur\u00fcckgeblieben, weil wir als Frauen, die wir sind oder als<strong><em> AndeE<\/em><\/strong>, spazieren gehen k\u00f6nnen, ohne Angst zu haben, angegriffen, vergewaltigt, zerst\u00fcckelt, verschwunden gemacht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir gegen den Fortschritt, da wir gegen die Mega-Projekte opponieren, die die Natur und uns als <em>Pueblos<\/em> zerst\u00f6ren \u2013 und die an die folgenden Generationen den Tod weitergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir gegen die Moderne, da wir uns einem Zug, einer Schnellstra\u00dfe, einem Staudamm, einem Heizkraftwerk, einem Einkaufszentrum, einem Flughafen, einer Bergbaumine, einem Giftm\u00fcll-Lager, der Zerst\u00f6rung eines Waldes, der Kontaminierung von Fl\u00fcssen und Seen, dem Kult der fossilen Brennstoffe entgegen stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir Zur\u00fcckgebliebene, denn wir w\u00fcrdigen das Land, die Erde anstatt das Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir Barbaren, da wir unsere Lebensmittel selbst anbauen. Denn wir arbeiten, um zu leben und nicht um Bezahlung zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir Unpassende und Ungeb\u00fchrliche, da wir uns als <em>Pueblos<\/em>, die wir sind, selbst regieren. Denn wir sehen die Arbeit der Regierung lediglich als eine zus\u00e4tzliche Arbeit als Gemeindemitglieder, die wir erf\u00fcllen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir Rebell*innen, da wir uns nicht verkaufen, nicht ergeben, nicht nachlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht sind wir all das, was sie von uns sagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Etwas jedoch sehen wir, h\u00f6ren wir, wissen wir, was passiert ist und was passieren wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Und deshalb sind wir auf dieser Reise. Denn wir denken und wissen, wir sind nicht die Einzigen, die k\u00e4mpfen; wir sind nicht die Einzigen, die sehen, was passiert und was passieren wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Winkel der Erde stellt eine kleine Geographie des Kampfes f\u00fcr das Leben dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir suchen andere Winkel und wir m\u00f6chten von ihnen lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum sind wir hierher gekommen \u2013 und nicht, um Euch Vorw\u00fcrfe, Beschimpfungen, Einspr\u00fcche, Eintreibung unbezahlter Schulden zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl dies gerade in Mode sein mag und Irgendeiner sagen w\u00fcrde, wir h\u00e4tten ja Recht mit diesen Einspr\u00fcchen \u2013 oder wir w\u00fcssten ja nicht, was wir tun sollten \u2013 und [deshalb] w\u00fcrden sie, die schlechten Regierungen, es f\u00fcr uns machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es mag in Mode sein, dass diese schlechten Regierungen sich hinter ihrem Pappmach\u00e9-Nationalismus verstecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir uns mit der Fahne des Nationalismus bedecken sollen und [damit] auch verdeckt wird, wer uns unterdr\u00fcckt, verfolgt, ermordet, spaltet und in Konfrontation bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein. Dazu sind wir nicht gekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter den Nationalismen werden nicht nur die Unterschiede verborgen, sondern auch und vor allem die Verbrechen. Im selben Nationalismus werden untergebracht: der gewaltt\u00e4tige <em>Macho<\/em> und die angegriffene Frau, die heterosexuelle Intoleranz und das verfolgte Anderssein, die r\u00e4uberische Zivilisation und der ausgel\u00f6schte <em>Pueblo originario<\/em>, der ausbeuterische Kapitalismus und die geknechteten Arbeiter, die Reichen und die Armen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nationalfahnen verdecken mehr von dem, was sie zeigen. Viel mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil wir derart denken, ist unser Vorhaben, unser Streben f\u00fcr das Leben ein weltweites. Es kennt keinerlei Grenzen, Sprachen, Ethnien, Ideologien, Geschlechter, Alter, Gr\u00f6\u00dfen, Fahnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist unsere Fahne eine Reise f\u00fcr das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>-*-<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Mal ist es einige der wenigen Male, dass wir das Wort nutzen innerhalb eines Events, wo nur Wenige sprechen und Viele zuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir nutzen es, um Euch eine respektvolle Bitte zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erz\u00e4hlt uns Eure Geschichte. Es spielt keine Rolle, ob sie gro\u00df oder klein ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Erz\u00e4hlt uns Eure Geschichte des Widerstands und der Rebellion. Eure Schmerzen, Eure Wut, Eure <em>\u00bbNein\u00ab<\/em> , Eure <em>\u00bbJa\u00ab<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wir zapatistischen <em>Comunidades<\/em> sind gekommen, um der Geschichte zuzuh\u00f6ren, sie zu lernen \u2013 der Geschichte, die es in jedem Zimmer, jedem Haus, in jedem Stadtteil, Ort und jeder Gemeinde, jeder Sprache und jedem Modus oder <em>Weder-Modus-aber-auf-jeden-Fall<\/em> (4) gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn nach so vielen Jahren haben wir gelernt: Innerhalb jeder Dissidenz, jeder Rebellion, jedem Widerstand gibt es einen Schrei f\u00fcr das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gem\u00e4\u00df uns<em> Pueblos zapatistas<\/em> handelt alles davon: vom Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn eines Tages Irgendeine*r Euch fragt: <em>\u00bbWozu sind die Zapatistas gekommen?\u00ab<\/em>, werden wir gemeinsam antworten k\u00f6nnen \u2013 ohne Besch\u00e4mung f\u00fcr Euch und ohne Scham f\u00fcr uns: <em>\u00bbSie kamen, um zu lernen.<\/em>\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>500 Jahre sp\u00e4ter kamen die <em>Comunidades zapatistas<\/em>, um uns gegenseitig zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Madrid, innerhalb&nbsp; der Geographie, die Spanien genannt wird \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>und auf diesen Erden und unter diesen Himmeln, die ernannt wurden zu:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>SLUMIL K \u0301AJXEMK \u0301OP <\/em><\/strong>oder: <strong><em>\u00bbRebellisches Land\u00ab<\/em><\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Namen der zapatistischen Gemeinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zapatistische Maritime Geschwader \u2013 genannt: \u00bbEscuadr\u00f3n 421\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Planet Erde. 13. August \u2013 gerade 500 Jahre danach.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-vimeo wp-block-embed-vimeo\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Apenas 500 a&amp;ntilde;os despu&amp;eacute;s\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/587003044?dnt=1&amp;app_id=122963&amp;h=931dfa5761\" width=\"750\" height=\"422\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesen Sie die Originalver\u00f6ffentlichung in Enlace Zapatista Worte der zapatistischen Pueblos. August 2021. Schwestern, Br\u00fcder, Schwestern*Br\u00fcder, Compa\u00f1eras, Compa\u00f1eros, Compa\u00f1eroas, Durch unsere Stimmen sprechen die zapatistischen Comunidades, Gemeinden. Zuerst m\u00f6chten wir danken. Danken, dass Ihr uns eingeladen habt. Danken, dass Ihr uns empfangen habt. Danken, dass Ihr uns beherbergt habt. 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